Warum wirkt BOTOX nicht?

Ästhetische Medizin - Zornesfalte glättenSie ärgern sich darüber, dass BOTOX bei Ihnen nicht wirkt? Oder nicht mehr?

Interessanter Weise ist das eine im Web oft zu hörende Kritik. In Social Media Beiträgen oder in Foren liest man sie fast so häufig wie die Sorge um etwaige BOTOX Spätfolgen.

Die Statistiken sagen etwas anderes: BOTOX wirkt demnach sehr zuverlässig.

Wenn es bei Ihnen trotzdem kein zufriedenstellendes Ergebnis bewirkt, so kann ich Sie beruhigen: Meistens liegen die Ursachen für eine fehlende Wirkung nicht beim BOTOX selbst und lassen sich beheben.

Gründe fehlender Wirksamkeit

Sehen wir uns die möglichen Gründe fehlender Wirksamkeit nachfolgend gemeinsam an.

In einem kurzen Exkurs beantworten wir dabei auch die Frage: Wann wirkt BOTOX? Das zu berücksichtigen ist nämlich nicht ganz unwichtig.

Das sind die Themen:

Die gute Nachricht: BOTOX wirkt fast immer

BOTOX versagt nur selten

Zuerst die gute Nachricht: Der enttäuschende Befund, dass die BOTOX Wirkung überwiegend oder ganz ausbleibt, ist selten. In der Tat glänzt die Botulinumtoxin-Therapie mit sehr hohen Zufriedenheitswerten um die 80-90%. Studien belegen das immer wieder.

Eine Studie spricht so zum Beispiel davon, dass sich 9 von 10 Personen auch 4 Monate nach der Behandlung deutlich besser fühlten. Die Probanden sind mit der BOTOX Wirkung zufrieden und würden die Therapie auch auf jeden Fall weiterempfehlen.

Und eine andere Studie weist nach, dass Personen, die mit BOTOX Stirn und Zornesfalte behandeln ließen, danach signifikant glücklicher waren als die Kontrollgruppe. Das deckt sich mit der mittlerweile gut belegten Vermutung, dass BOTOX gegen Depressionen helfen kann.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen: BOTOX wirkt. Und das im Allgemeinen ziemlich zuverlässig.

Die schlechte Nachricht: Manchmal wirkt BOTOX tatsächlich nicht

Jetzt die schlechte Nachricht: Es kann dennoch vorkommen, dass die Behandlung mit Botulinumtoxin hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Patientinnen und Patienten sind dann zu Recht enttäuscht. Zumal wenn sie Kosten von mehreren Hundert Euro auf sich genommen haben.

Im Internet sind Berichte negativer BOTOX Erfahrungen zahlreich, wie eine simple Google-Suche zeigt. Die ausbleibende BOTOX Wirkung wird überraschend oft beklagt, wenn man die hohe Therapiezuverlässigkeit laut Statistik als Ausgangspunkt nimmt.

Negative BOTOX Erfahrungen und wie sie entstehen

Klären wir dafür zunächst einmal ab, worüber wir reden: Wenn sich ein Patient beklagt „BOTOX wirkt bei mir nicht“, dann meint er in der Regel, dass die tatsächlichen Ergebnisse der Therapie hinter denen zurückbleiben, die ihm vom Arzt in Aussicht gestellt wurden.

Schließen wir dabei aber gleich alle Fälle aus, wo Ungeduld das Problem ist, und bereits am übernächsten Tag nach der Behandlung Befürchtungen auftreten, dass die BOTOX Wirkung ausbleiben könnte. Darum geht es in diesem Beitrag nicht.

Wann wirkt BOTOX?

Denn wann wirkt BOTOX? Es kann circa 2-3 Wochen dauern bis die Wirkung voll sichtbar wird. Vorher macht es keinen Sinn, sich über eine möglicherweise ausbleibende Wirkung Sorgen zu machen.

Stellt sich die Wirkung aber auch danach nicht ein, dann sind wir bei unserem Thema.

Wie wirkt BOTOX?

BOTOX (Botulinumtoxin) ist ein Toxin des Bakteriums Clostridium botulinum. Es sind 7 serologisch unterschiedliche Formen des Toxins bekannt, die Typen A– G.

Die einzelnen Typen unterscheiden sich in ihrer Wirkdauer und Wirkstärke, wobei Typ A am stärksten und längsten wirkt. Typ A ist etwa 10-mal stärker in der Wirkung als Typ C und etwa 50-mal stärker als Typ B. Vor allem aus diesem Grund verwendet man in der Medizin überwiegend Typ A.

Botulinumtoxin wirkt an den sogenannten cholinergen Synapsen. Die cholinergen Synapsen zählen zu den chemischen Synapsen und vermitteln die Kommunikation zwischen einer Nervenzelle (Neuron) und einer nachgelagerten Zelle im vegetativen Nervensystem.

Die Kommunikation von einer Zelle zur anderen erfolgt über sogenannte Botenstoffe oder Neurotransmitter. In unserem Fall ist das der Botenstoff Acetylcholin.

Botox unterbricht die Kommunikation zwischen Nerv und Muskel

Das Botulinumtoxin hemmt die Sekretion von Acetylcholin und unterbindet dadurch die Kommunikation zwischen den Zellen. In der Faltenbehandlung sind das Nervenzellen und Muskelzellen.

Können Nerven und Zellen in Folge der Wirkung von BOTOX nicht miteinander kommunizieren, dann bleibt der Nervenimpuls für den Muskel folgenlos: Er ist gelähmt. Oder zumindest geschwächt.

Botox Wirkung zeitlich begrenzt

Die BOTOX Wirkung hält aber nur begrenzte Zeit an. Einerseits bilden die betroffenen Nervenzellen bereits kurze Zeit nach der BOTOX-Injektion neue, unreife Acetylcholinrezeptoren aus.

Andererseits erholen sich aber die ursprünglichen Rezeptoren im Verlauf von etwa 3-4 Monaten wieder und sind nach vollständigem Abklingen des Toxins wieder zurück in ihrem Ausgangszustand.

Aus diesem Grund wurden bislang auch keine BOTOX Spätfolgen beobachtet.
Die Wirkungsweise von Botulinumtoxin in der Faltenbehandlung

Ab wann wirkt BOTOX?

Nach der Injektion dauert es alleine schon 24-48 Stunden, bis das BOTOX sich an die Nervenzellen bindet, in diese eindringt und dort seine Wirkung entfaltet. Dieser Prozess ist kompliziert und beinhaltet unter anderem, dass sich das 2-teilige BOTOX-Molekül erst einmal aufspaltet.

Nur der leichtere Teil, die sogenannte L-Kette, dringt in das Zytoplasma der Nervenzelle ein und spaltet dort ein bestimmtes Protein, das an der Ausschüttung des oben beschriebenen Acetylcholins beteiligt ist.

Die ersten Lähmungserscheinungen in den injizierten Muskeln treten deshalb frühestens nach 1-2 Tagen auf. Und es gibt Patienten, bei denen ein verändertes Faltenbild an der behandelten Stelle tatsächlich auch schon nach dieser kurzen Zeit sichtbar wird.

Individuelle Faktoren bestimmen Einsetzen der vollen BOTOX Wirkung

Wie lange es aber dauert, bis die BOTOX Wirkung vollständig einsetzt und die komplette Muskulatur entsprechend geschwächt ist, um den erwünschten kosmetischen Effekt zu erzielen, hängt von mehreren und überwiegend individuellen Faktoren ab.

Insbesondere die Stärke der beteiligten Muskeln und ihre Grundspannung (Muskeltonus) spielen eine wichtige Rolle. Erfahrungsgemäß tritt das Gros der kosmetischen Wirkung 7-10 Tage nach der Behandlung ein.

BOTOX Wirkung lässt allmählich nach

Der oben beschriebene Prozess ist vollständig reversibel. Das bedeutet: Nach und nach verliert eine einmal verabreichte BOTOX-Dosis an Wirkung, bis sie nach 4-6 Monaten vollständig verschwunden ist.

Die Behandlung hinterlässt im Körper keine Spuren und kein „Gedächtnis“. Die Angst vor BOTOX Spätfolgen ist deshalb unbegründet, wie Langzeitstudien mehrfach belegt haben.

Allerdings, und das spielt durchaus eine Rolle in der Faltenbehandlung, werden Muskeln schwächer, wenn sie lange nicht bewegt wurden. Das kennen Sie von Ihren Armen und Beinen. Es trifft aber auch auf die mimischen Muskeln im Gesicht zu.

Durch eine mehrmonatigen Lähmung nach BOTOX verlieren sie dauerhaft an Stärke. Deshalb können sie keine so starke Faltenbildung mehr hervorrufen, wie früher. Sofern man das möchte, kann man derlei Effekte also gewissermaßen als „positive“ BOTOX Spätfolgen bezeichnen.

Unrealistische Erwartungen

Ohne das Fazit dieses Textes vorwegnehmen zu wollen: Der behandelnde Arzt ist bei der BOTOX Behandlung der entscheidende Erfolgsfaktor.

Natürlich mögen auch zu hohe Erwartungen eine Rolle gespielt haben, befeuert von den übertriebenen Schilderungen eines oder einer Bekannten, Medienberichten, Film und Fernsehen, Social Media und dergleichen.

Aber letztlich ist es der Arzt, der zu hohe Erwartungen seiner Patienten im Vorgespräch auf das erwartbare Maß zurechtstutzen muss. Und wenn das nicht geschieht, dann Schimpf und Schande über ihn!

Noch schlimmer wäre es natürlich, wenn er selbst es war, der die übertriebenen Erwartungen erst geweckt hat. Aber soweit wollen wir hier gar nicht gehen.

Es reicht, dass Patientinnen und Patienten sich von BOTOX mehr erhoffen, als es zu leisten vermag, und der Arzt diese Erwartung nicht relativiert.

Das macht ihn zum Dreh- und Angelpunkt des Problems.

Der Arzt im Zentrum der Kritik

Diese Feststellung führt zu folgenden alternativen Schlussfolgerungen:

» Der Arzt hat die erzielbare BOTOX Wirkung womöglich selbst überschätzt.

» Oder er hat sie richtig eingeschätzt, aber ist in der konkreten Behandlung nicht korrekt vorgegangen. Weil er zum Beispiel den Wirkstoff falsch dosiert oder die Injektionspunkte nicht zutreffend gewählt hat.

» Womöglich hat er aber auch in der Anwendung alles richtig gemacht, und dennoch hat die Therapie nicht das gewünschte Ergebnis gebracht.

» Schließlich ist auch der Fall denkbar, dass zwar der Patient subjektiv der Meinung ist, die Behandlung habe bei ihm nicht gewirkt, der Arzt hingegen die Auffassung vertritt, die erwünschten Veränderungen seien sehr wohl eingetreten.

In allen diesen Fällen spricht man in der Medizin von Therapieversagen. Und nicht immer ist es nur der Patient, der ein derartiges Versagen vermutet. Oft genug kommt auch der Arzt selbst zur Ansicht, dass irgendetwas in der Behandlung nicht verlaufen ist wie erwartet.

Sonderfall: Dissens zwischen Arzt und Patient

In Studien hat sich tatsächlich immer wieder herausgestellt, dass Ärzte die Wirkung von BOTOX im Vergleich zu unwirksamen Placebo-Injektionen deutlich zutreffender beurteilen, als die behandelten Patienten. Darin liegt natürlich eine mögliche Ursache für Dissens zwischen Arzt und Patient.

In einem solchen Fall sollte die detaillierte Patienten-Dokumentation des Arztes, insbesondere die vorher-nachher Fotos, einen eindeutigen Beleg dafür liefern können, wer Recht hat.

Wenn die Zweifel trotzdem weiter bestehen, und das Vertrauensverhältnis zum Arzt darunter leidet, dann hilft womöglich nur, eine Zweitmeinung einzuholen oder den Arzt zu wechseln.

Ein Blick in die Patientenakte hilft bei Dissens

Offenkundig sind hingegen viele andere Fälle, bei denen sich über Erfolg oder Misserfolg nicht streiten lässt: Steht nach erfolgter Botulinumtherapie weiterhin eine ausgeprägte Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, dann liegt das Versagen der Therapie auf der Hand.

Die BOTOX Wirkung bleibt eindeutig aus, und die Frage lautet: wieso?

Auch hier wird sich der Arzt seine vorher-nachher Fotos der BOTOX Behandlung genau ansehen wollen, bevor er sein abschließendes Urteil trifft. Kommt er zum Schluss, dass er nochmal nachdosieren muss oder die Behandlung mit BOTOX vielleicht doch nicht das optimale Vorgehen war, dann wird er sich mit dem Patienten vermutlich irgendwie einigen.

Fehldiagnosen kommen vor

Solche Fälle können vorkommen, zum Beispiel wenn aufgrund eines erhöhten Muskeltonus die Wirkung des BOTOX alleine Falten nicht völlig zum Verschwinden bringen kann. Ich rechne derartige Fälle im weitesten Sinne dem Bereich Fehldiagnosen zu.

Insbesondere dann, wenn der Arzt den Patienten nicht im Vorfeld auf die möglicherweise vorliegende Problematik aufmerksam gemacht hat. Ob er das hat, können Sie als Patient später wiederum anhand der Falldokumentation überprüfen bzw. anhand des Aufklärungsbogens, von dem man Ihnen (hoffentlich) eine Kopie ausgehändigt hat.

BOTOX Faltenbehandlung

Auf das ausführliche Patientengespräch folgen Fotodokumentation und Reinigung sowie die Zubereitung der Wirkstofflösung (VISTABEL 50AE). Abhängig von der zu behandelnden Region und den spezifischen Bedingungen des Patienten (Alter, Anatomie, Gewebezustand) werden Injektionspunkte und Wirkstoffdosierung nach Standardprotokoll ausgewählt. Die Injektionen erfolgen mit einer sehr dünnen Nadel ins Muskelgewebe, zumeist an 3-5 Injektionspunkten im Gesichtsbereich, an deutlich mehr bei der Behandlung von Hals und Dekolleté.

Inklusive Patientengespräch und Vorbereitung ca. 30-45 Minuten. Die Behandlung selbst dauert in der Regel maximal 15 Minuten.

Ja, sie sind sofort wieder gesellschaftsfähig. Rötungen an den Einstichstellen sind in der Regel binnen 1h verschwunden. Es gelten allerdings gewisse Vorsichtsmaßnahmen am Tag der Behandlung und den darauffolgenden. So sollten Sie zB körperliche Anstrengungen meiden, Sauna und Solarium nicht besuchen und die Haut keiner übermäßigen UV-Strahlung aussetzen.

Die endgültigen Kosten richten sich nach der GOÄ, ein ungefährer Richtwert sind € 250 pro behandelter Region.

BOTOX ohne Wirkung: Die Gründe

Indem wir den Arzt in das Zentrum unserer Betrachtungen gerückt haben, sind wir auch dem Kern des Problems ein ordentliches Stück näher gekommen.

Ein Versagen der Botulinumtherapie hat in der Regel eine von drei Ursachen, von denen zwei wahrscheinlich sind und die dritte eher unwahrscheinlich.

Hier zunächst die beiden wahrscheinlichen Ursachen, die im Anschluss an das oben Gesagte an den Arzt anknüpfen:

1Die Indikation von Botulinumtoxin war von vornherein falsch. Vor allem deshalb, weil der zu behebende Zustand nicht ursächlich auf Muskelkontraktion zurückzuführen war.

Die durch das BOTOX bewirkte Entspannung kann daher auch nichts zur Behebung des unerwünschten Zustandes beitragen.

Auch das oben schon kurz angesprochene Problem eines erhöhten Muskeltonus fällt in diese Kategorie: Die BOTOX Wirkung tritt hier zwar ein, reicht aber nicht aus, um damit Falten völlig zum Verschwinden zu bringen.

Man spricht in derartigen Fällen von primärem Therapieversagen. Tritt ein primäres Therapieversagen auf, dann hat der Arzt – simpel gesprochen – eine Fehldiagnose gestellt.

So etwas kann vorkommen, aber es sollte in medizinischen Fachkreisen selten sein. Eine profunde ästhetisch-medizinische Ausbildung sowie gute anatomische und dermatologische Fachkenntnisse sorgen in der Regel für ein hohes Maß an diagnostischer Zuverlässigkeit.

2Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist zwar im Prinzip richtig, dennoch wirkt die Therapie nicht wie erwünscht. In diesem Fall kann eine Reihe von Gründen ursächlich sein, bei denen man von sekundärem Therapieversagen spricht:

1. Die Botulinum-Dosierung war zu niedrig

2. Die Injektionspunkte trafen nicht die richtigen Muskeln

3. Die Injektionstechnik war nicht korrekt

4. Der Wirkstoff hatte Qualitätsmängel (z.B. wegen unsachgemäßer Lagerung).

Dazu muss man wissen, dass die gängigen Botulinum-Präparate als Pulver in Verkehr gebracht werden und im Kühlschrank gelagert werden müssen.

Fertige Botulinum-Lösungen müssen je nach Präparat binnen 8 bzw. 24 Stunden verarbeitet werden. BOTOX wirkt nicht mehr in voller Stärke, wenn diese Frist überschritten wird.

Ich habe es mir deshalb in meiner Praxis zur Angewohnheit gemacht, Botulinum-Lösungen überhaupt nicht längere Zeit zu lagern sondern sofort zu verbrauchen.

5. Die Erwartungen waren, das wurde in der Einleitung schon angedeutet, unrealistisch.

Falsche Erwartungen zu wecken, etwa durch optimistische „BOTOX vorher nachher„- Fotos, oder im Patientengespräch nicht auszuräumen, ist ein Versagen des Therapeuten.

3Erwähnen wir der Vollständigkeit halber noch den dritten Grund, den unwahrscheinlichen allerdings, warum die Wirksamkeit von BOTOX ausbleiben kann: die BOTOX Resistenz. Zu ihr kommen wir noch in aller Ausführlichkeit.

Zusammenfassend die 3 Gründe in einer Grafik

Infografik: Therapieversagen bei Botulinumtoxin A

Ein vorläufiges Fazit

Zusammenfassend lässt sich somit sagen:

BOTOX mag an sich noch so wirksam und zuverlässig sein, in der ärztlichen Praxis gibt es eine Menge Dinge, die vor und während der Behandlung schief gehen können.

Und damit die an sich vorhandene BOTOX Wirkung teilweise oder ganz konterkarieren. Und deshalb gilt wie immer in der Medizin und vor allem in der ästhetischen Medizin:

Die Qualifikation und Professionalität Ihres Therapeuten entscheidet über Erfolg oder Misserfolg!

Vorsicht vor schwarzen Schafen

Ich möchte Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Sie bei ausnahmslos JEDER BOTOX-Behandlung darauf bestehen sollten, dass die Wirkstoffinjektion vor Ihren Augen vorbereitet wird.

Das bedeutet, dass der Arzt oder seine Angestellten das  gewählte Präparat erst unmittelbar vor der Behandlung vor Ihnen auspacken, den Aufkleber mit der Chargennummer in Ihr persönliches Behandlungsprotokoll kleben und in Ihre Patientenakte aufnehmen.

Lassen Sie sich zeigen, mit welcher Menge Kochsalzlösung das BOTOX aufgezogen wird. Für die Standarddosierung sollte eine 50AE Viole mit nicht mehr als 1,2 ml Kochsalzlösung verdünnt werden.

Falls Sie an einen (Billig-) Anbieter geraten, der Ihnen diese Vorgehensweise verweigert, dann seien Sie skeptisch! Ich habe in letzter Zeit eine Reihe von Patientinnen behandelt, bei denen BOTOX kaum oder überhaupt nicht wirkte bzw die Wirkung nur 1-2 Monate lang anhielt.

Sie schilderten mir unisono die Vorgehensweise bei ihrem bisherigen Anbieter, bei dem sie das eigentliche Präparat nie zu Gesicht bekamen oder die BOTOX-Spritze aus einer großen Flasche aufgezogen wurde.

Ich will eine derartige Praxis nicht pauschal verurteilen, aber natürlich öffnet sie dem Missbrauch Tür und Tor.

BOTOX wirkt nicht wegen Resistenz

Kommen wir damit zur dritten und letzten möglichen Ursache. Sie ist eher unwahrscheinlich, wie ich oben bereits geschrieben habe. Aber dennoch tritt sie ab und an auf: die BOTOX-Resistenz.

Patienten, auf die dieser Befund zutrifft, sind gegen den Wirkstoff Botulinumtoxin A immun. Vielleicht auch im Laufe der Zeit immun geworden. Wenn also das BOTOX in ersten Anwendungen Wirkung zeigte, aber dann allmählich nicht mehr. Derartige Fälle gibt es, sie sind aus der Botulinum-Behandlung neurologischer Erkrankungen bekannt.

Dystonie-Patienten zum Beispiel entwickelten im Laufe der Botulinum-Therapie Antikörper gegen das Toxin. Allerdings betraf der Befund lediglich 3-10% der in der Studie untersuchten Personen. Und Achtung: Wir sprechen über Neurologiepatienten!

In der Neurologie wird BOTOX in sehr viel höheren Dosierungen verabreicht als in der ästhetischen Medizin. Bei der Behandlung von chronischer Migräne z.B. werden alle 3 Monate 150 oder sogar 200 Einheiten gespritzt, damit BOTOX vorbeugende Wirkung erzielt. Die durchschnittliche kosmetische Behandlung benötig hingegen rund 50 Einheiten, und das nur alle 4-6 Monate.

In der kosmetischen Anwendung von Botulinumtoxin A sind Immunreaktionen deshalb sogar noch unwahrscheinlicher. Die Dosierungen sind in der Regel viel zu gering,  um die Bildung von Antikörpern hervorzurufen.

Was sagt der Hersteller von BOTOX dazu?

Ganz in diesem Sinne wird auch ALLERGAN, der Hersteller von BOTOX, auf einer amerikanischen Website zitiert:

Gelegentlich können einige Patienten eine Immunreaktion auf BOTOX entwickeln, die die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen kann. Denn BOTOX ist ein Proteinkomplex, und bei einigen Patienten kann das Immunsystem des Körpers reagieren, indem es blockierende oder neutralisierende Antikörper produziert, die in der Lage sind, die biologische Aktivität des Proteins zu inaktivieren.

Die Antikörperbildung ist eher problematisch, wenn Patienten häufig injiziert werden müssen oder wenn sie zur Behandlung von Krankheiten wie z.B. Gebärmutterhals-Dystonie eingesetzt wird, die eine höhere Dosis erfordern.

Neuere Langzeitstudien haben jedoch gezeigt, dass die Immunogenität auch bei dieser Behandlung ein geringes Problem darstellt. Die Gebrauchsinformationen für BOTOX weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Potenzial für die Bildung von Antikörpern minimiert werden kann, indem mit der niedrigsten effektiven Dosis gespritzt wird, die in den längsten möglichen Abständen zwischen den Injektionen gegeben wird.

Niedrige Dosierung bei der Erstbehandlung

Soweit also zu den echten Fehlfunktionen der BOTOX Behandlung.

Kein Fehler: Absichtliche Niedrigdosierung

Nun aber noch abschließend zu einem weiteren Grund für eine ausbleibende oder zu schwache Wirkung von BOTOX, die zwar als Therapieversagen gedeutet werden könnte, aber keines ist.

Nämlich der Fall, in denen der Arzt die Dosierung des Botulinumtoxins BEWUSST niedrig wählt. Wie ich es zum Beispiel in meiner Praxis in München regelmäßig mache.

Wann mache ich das? Wenn ich Patientinnen und Patienten zum ersten Mal für eine BOTOX-Behandlung sehe. Ich kann dann nicht wissen, wie der Organismus des Patienten genau auf das Botulinumtoxin reagiert. Ich habe auch noch keine früheren BOTOX Erfahrungen in der Patientenakte gespeichert.

Zu wenig BOTOX kann korrigiert werden, zuviel nicht

In diesen Fällen dosiere ich mit Absicht etwas vorsichtiger. Denn eine zu geringe BOTOX Wirkung lässt sich beim Kontrolltermin 14 Tage später problemlos korrigieren (für den Patienten natürlich kostenlos).

Eine versehentliche Überdosierung ist hingegen kaum zu beheben. Mit der müssten Sie als Patient mehrere Monate lang zurechtkommen. Tausendmal lieber höre ich dann vom Patienten beim Kontrolltermin „Mein Botox wirkt nicht stark genug“ als „Ich kann nicht mehr sprechen und nicht mehr trinken“. Das klingt lustiger als es ist.

Falls Sie nach Ihrer erstmaligen Behandlung mit Botulinumtoxin beim Arzt ihrer Wahl die gewünschte Wirkung also erst durch Nachbessern beim Kontrolltermin erhalten (wie er es Ihnen hoffentlich vor der Behandlung als Möglichkeit vorhergesagt hat), seien Sie ihm oder ihr nicht böse. Das war durchaus in Ihrem Interesse.

Was kann ich tun, wenn BOTOX bei mir nicht wirkt?

Aus allem bisher Gesagten, ergeben sich für Sie folgende Handlungsoptionen:

Mit Ihrem Arzt klären

Sie sollten zunächst das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Kommen sie beide überein, dass die Botulinum-Behandlung in Ihrem Fall nicht erfolgreich war, dann gilt es, die Ursachen zu ergründen.

Ihre Patientenakte und die Fotodokumentation der Ausgangssituation und der angezeichneten Injektionspunkte sollte Aufschluss darüber geben, ob das Vorgehen Ihres Arztes prinzipiell korrekt war.

Zudem sollte er sich die Chargen-Nummer des bei Ihnen verwendeten BOTOX-Präparats notiert haben, mittels der er beim Hersteller recherchieren kann, ob es zu dieser Produktionscharge etwaige Reklamationen gibt.

Als Ergebnis dieses Gesprächs werden Sie eventuell einen zweiten Versuch wagen, womöglich mit erhöhter Dosierung oder modifiziertem Injektionsschema, wenn der Verdacht besteht, dass es daran gelegen haben könnte.

Arzt wechseln

Vielleicht entziehen Sie Ihrem bisherigen Arzt das Vertrauen und versuchen es bei einem anderen noch mal.

Das hängt vermutlich ganz davon ab, wie gut Ihr Vertrauensverhältnis zu Ihrem bisherigen Arzt ist und welche Eindrücke Sie aus dem Gespräch gewonnen haben.

Arzt Hopping ist zwar in der Regel keine gute Idee, aber wenn Sie zu Ihrem Arzt kein Vertrauensverhältnis mehr haben, dann bleibt kaum etwas anderes übrig.

Auf Resistenz testen lassen

Falls auch eine weitere BOTOX-Behandlung nicht zum Erfolg führt, obwohl davon auszugehen ist, dass sie prinzipiell als Therapie geeignet ist und auch das Vorgehen des Arztes keine Fehler aufweist, dann sollten Sie erwägen, sich auf BOTOX-Resistenz testen zu lassen.

Eventuell gehören Sie ja tatsächlich zur kleinen Schar von Menschen, die gegen das Botulinumtoxin A immun ist, aus welchen Gründen auch immer.

Es sind verschiedene Tests verfügbar, die mittels Oberflächen-Elektromyografie die elektrische Aktivität von Muskelfasern messen und als sogenanntes Elektromyogramm aufzeichnen.

Beim BOTOX-Antikörper-Test wird die Amplitude eines gemessenen Aktionspotenzials aufgezeichnet und dokumentiert. Dann wird BOTOX in den Muskel injiziert und nach 4 Wochen erneut gemessen.

Zeigt die neue Messung eine unveränderte Amplitude, dann besteht tatsächlich BOTOX Resistenz. Fällt die Amplitude hingegen geringer aus als bei der ersten Messung, dann liegt keine Resistenz vor.

Alternativen zu BOTOX erwägen

Sollte sich herausstellen, dass sie immun gegen BOTOX sind, dann seien Sie versichert, dass es eine Reihe anderer Möglichkeiten in der Faltentherapie gibt, die BOTOX ebenbürtig und in einigen Fällen sogar überlegen sind.

Hyaluronsäurefiller wären an dieser Stelle als erstes zu nennen, aber auch Fadenlifting oder PRP. Bei kleineren Fältchen können Sie selbst mit regelmäßiger Mikrodermabrasion und Fruchtsäurepeelings gute Erfolge erzielen.

In den USA laufen zudem klinische Versuche in der ästhetischen Anwendung von Botulinumtoxin Typ B, das sich in erwiesenen Fällen von Resistenz gegen Typ A als durchaus wirksam erwiesen hat und für neurologische Anwendungen unter den Bezeichnungen MYOBLOC (USA) und NEUROBLOC (Europa) bereits vermarktet wird.

Diese Versuche sind allerdings in einem frühen Stadium und die bisherigen Ergebnisse sind nicht berauschend. Zwar scheint das Toxin B in allen Fällen zu wirken, in denen Typ A wegen Immunresistenz versagte.

Aber die Behandlungen sollen deutlich schmerzhafter sein und die Nebenwirkungen unangenehm. Meiner Einschätzung nach ist Botulinumtoxin Typ B daher in der ästhetischen Medizin (noch) bis auf weiteres Zukunftsmusik.

Aber wie gesagt: Es muss auch wirklich nicht immer und unbedingt BOTOX sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten. Oder – wenn Sie möchten – gerne auch von mir.

Bis bald!

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