Sie ärgern sich darüber, dass BOTOX bei Ihnen nicht wirkt? Oder nicht mehr? Ich kann Sie beruhigen: Zumeist liegt das an Ursachen, die sich beheben lassen. Lesen Sie dazu im Folgenden:

Inhalt:

Die gute Nachricht: BOTOX wirkt fast immer

Zuerst die gute Nachricht: Der enttäuschende Befund, dass BOTOX gar nicht oder nicht ausreichend wirkt, ist selten. In der Tat glänzt die Botulinum-Therapie mit sehr hohen Zufriedenheitswerten um die 80-90%. Studien belegten dies in jüngerer Vergangenheit immer wieder.

Eine Studie spricht sogar davon, dass sich 9 von 10 der befragten Personen auch noch 4 Monate nach der Behandlung “deutlich besser” fühlten. Und sie BOTOX auf jeden Fall weiterempfehlen würden.

Und eine andere Studie weist nach, dass Personen, die mit BOTOX ihre Zornesfalte behandeln ließen, danach “signifikant glücklicher” waren als die Kontrollgruppe, die mit anderen Mitteln behandelt wurde. Mit anderen Worten: BOTOX wirkt. Und das ziemlich zuverlässig.

Die schlechte Nachricht: Manchmal wirkt BOTOX nicht

Jetzt die schlechte Nachricht: Es kann dennoch vorkommen, dass die Behandlung mit Botulinumtoxin hinter den Erwartungen zurückbleibt. Patientinnen und Patienten sind dann zu Recht enttäuscht. Zumal wenn sie dafür Kosten von mehreren Hundert Euro auf sich genommen haben. Im Internet sind Berichte negativer BOTOX Erfahrungen zahlreich, wie eine simple Google-Suche zeigt.

Mit einiger Sicherheit haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zu dieser Seite gefunden, weil Sie in die Suchmaschine “botox wirkt bei mir nicht”, “botox zeigt keine Wirkung” oder irgendetwas in der Art eingegeben haben. Vermutlich gehören Sie auch zu denen, bei denen die Botulinum-Behandlung versagte und die nun wissen wollen wieso. Ich will nachfolgend versuchen, Ihnen darauf eine umfassende Antwort zu geben.

Negative BOTOX Erfahrungen und wie sie entstehen

Klären wir dafür zunächst einmal ab, worüber wir reden: Wenn sich ein Patient beklagt „BOTOX wirkt bei mir nicht“, dann meint er in der Regel, dass die tatsächlichen Ergebnisse der Therapie hinter denen zurückbleiben, die ihm vom Arzt in Aussicht gestellt wurden.

Schließen wir dabei aber gleich alle Fälle aus, wo Ungeduld das Problem ist, und bereits am übernächsten Tag nach der Behandlung Befürchtungen auftreten, dass die Wirkung nicht eintreten könnte. Darum geht es in diesem Beitrag nicht.

Wann wirkt BOTOX? Es kann circa 2-3 Wochen dauern bis die Wirkung voll sichtbar wird. Vorher macht es keinen Sinn, sich über die ausbleibende Wirkung von BOTOX Sorgen zu machen. Zeigt sich dann die Wirkung allerdings nicht, sind wir beim Thema: Warum wirkt BOTOX nicht so, wie vom Arzt behauptet?

Die Wirkung von BOTOX tritt nicht sofort ein. In der Regel dauert es 1-2 Wochen, bis der Effekt der Behandlung sichtbar wird. Schauen wir uns in einem kurzen Exkurs an, warum.

Wie wirkt BOTOX?

Biochemisch betrachtet ist Botulinumtoxin ein sogenanntes Neurotoxin. Es verhindert die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin an der Signalübertragungsstelle zwischen Nerven und Muskeln. Infolge dessen werden keine Aktionspotentiale mehr an den Muskel weitergeleitet und es kommt zur teilweisen oder vollständigen Lähmung.

Die Wirkungsweise von Botulinumtoxin in der Faltenbehandlung


Ab wann wirkt BOTOX?

Nach der Injektion dauert es alleine schon 24-48 Stunden, bis das BOTOX sich an die Nervenzellen bindet, in diese eindringt und dort seine Wirkung entfaltet. Dieser Prozess ist kompliziert und beinhaltet unter anderem, dass sich das 2-teilige BOTOX-Molekül erst einmal aufspaltet. Nur der leichtere Teil, die sogenannte “L-Kette”, dringt in das Zytoplasma der Nervenzelle ein und spaltet dort ein bestimmtes Protein, das an der Ausschüttung des oben beschriebenen Acetylcholins beteiligt ist.

Die ersten Lähmungserscheinungen in den injizierten Muskeln treten deshalb frühestens nach 1-2 Tagen auf. Und es gibt Patienten, bei denen ein verändertes Faltenbild an der behandelten Stelle tatsächlich auch schon nach dieser kurzen Zeit sichtbar wird. Wie lange es aber dauert, bis die komplette Muskulatur entsprechend geschwächt ist, um den erwünschten kosmetischen Effekt zu erzielen, hängt von mehreren und überwiegend sehr individuellen Faktoren ab. Insbesondere der Stärke der beteiligten Muskeln und ihre Grundspannung (“Muskeltonus”). Erfahrungsgemäß tritt das Gros der kosmetischen Wirkung 7-10 Tage nach der Behandlung ein.

Und Sie werden sehen, dass ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags den Arzt in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen rücke.

Natürlich mögen auch zu hohe Erwartungen eine Rolle gespielt haben, befeuert von den übertriebenen Schilderungen eines oder einer Bekannten, Medienberichten, Film und Fernsehen, Internetforen und dergleichen.

Aber letztlich ist es der Arzt, der zu hohe Erwartungen seiner Patienten im Vorgespräch auf das erwartbare Maß zurechtstutzen muss. Und wenn das nicht geschieht, dann Schimpf und Schande über ihn!

Noch schlimmer wäre es natürlich, wenn er selbst es war, der die übertriebenen Erwartungen erst geweckt hat. Aber soweit wollen wir hier gar nicht gehen. Es reicht, dass Patientinnen und Patienten sich von BOTOX mehr erhoffen, als es zu leisten vermag, und der Arzt diese Erwartung nicht relativiert.

Das macht ihn zum Dreh- und Angelpunkt des Problems.

Der Arzt im Zentrum der Kritik

Diese Feststellung führt zu mehreren möglichen Schlussfolgerungen:

  • Der Arzt hat die erzielbare Wirkung von BOTOX womöglich selbst überschätzt.
  • Oder er hat sie richtig eingeschätzt, aber ist in der konkreten Behandlung nicht richtig vorgegangen. Weil er zum Beispiel den Wirkstoff falsch dosiert oder die Injektionspunkte nicht zutreffend gewählt hat.
  • Womöglich hat er auch in der Anwendung alles richtig gemacht, und dennoch hat die Therapie nicht das gewünschte Ergebnis gebracht.
  • Schließlich ist auch der Fall denkbar, dass zwar der Patient subjektiv der Meinung ist, die Behandlung habe bei ihm nicht gewirkt, der Arzt hingegen die Auffassung vertritt, die erwünschten Veränderungen seien sehr wohl eingetreten.

In allen diesen Fällen spricht man in der Medizin von “Therapieversagen”. Und nicht immer ist es nur der Patient, der ein derartiges Versagen vermutet, oft genug kommt auch der Arzt zur Ansicht, dass irgendetwas in der Behandlung nicht verlaufen ist wie erwartet.

In Studien hat sich tatsächlich immer wieder herausgestellt, dass Ärzte die Wirkung von BOTOX im Vergleich zu unwirksamen Placebo-Injektionen deutlich zutreffender beurteilen, als die behandelten Patienten selbst. Darin liegt natürlich eine Ursache für möglichen Dissens zwischen Arzt und Patient.

In einem solchen Fall sollte die detaillierte vorher-nachher Dokumentation des Arztes, insbesondere die vorher-nachher Fotos, einen eindeutigen Beleg dafür liefern können, wer Recht hat. Wenn die Zweifel trotzdem weiter bestehen, und das Vertrauensverhältnis zum Arzt darunter leidet, dann hilft womöglich nur, eine Zweitmeinung einzuholen oder den Arzt zu wechseln.

Offenkundig sind hingegen viele andere Fälle, bei denen sich über Erfolg oder Misserfolg nicht streiten lässt: Steht nach erfolgter Botulinumtherapie weiterhin eine ausgeprägte Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, dann liegt das Versagen der Therapie auf der Hand.

Auch hier wird sich der Arzt seine vorher-nachher Fotos der BOTOX Behandlung genau ansehen wollen, bevor er sein abschließendes Urteil trifft. Kommt er zum Schluss, dass er nochmal nachdosieren muss oder die Behandlung mit BOTOX vielleicht doch nicht das optimale Vorgehen war, dann wird er sich mit dem Patienten vermutlich irgendwie einigen.

Solche Fälle können vorkommen, zum Beispiel wenn aufgrund eines erhöhten Muskeltonus die Wirkung des BOTOX alleine Falten nicht völlig zum Verschwinden bringen kann. Ich rechne derartige Fälle im weitesten Sinne dem Bereich “Fehldiagnosen” zu.

Insbesondere dann, wenn der Arzt den Patienten nicht im Vorfeld auf die möglicherweise vorliegende Problematik aufmerksam gemacht hat. Ob er das hat, können Sie als Patient später wiederum anhand der Falldokumentation überprüfen bzw. anhand des Aufklärungsbogens, von dem man Ihnen (hoffentlich) eine Kopie ausgehändigt hat.

BOTOX Faltenbehandlung

Auf das ausführliche Patientengespräch folgen Fotodokumentation und Reinigung sowie die Zubereitung der Wirkstofflösung (VISTABEL 50AE). Abhängig von der zu behandelnden Region und den spezifischen Bedingungen des Patienten (Alter, Anatomie, Gewebezustand) werden Injektionspunkte und Wirkstoffdosierung nach Standardprotokoll ausgewählt. Die Injektionen erfolgen mit einer sehr dünnen Nadel ins Muskelgewebe, zumeist an 3-5 Injektionspunkten im Gesichtsbereich, an deutlich mehr bei der Behandlung von Hals und Dekolleté.

Inklusive Patientengespräch und Vorbereitung ca. 30-45 Minuten. Die Behandlung selbst dauert in der Regel maximal 15 Minuten.

Ja, sie sind sofort wieder gesellschaftsfähig. Rötungen an den Einstichstellen sind in der Regel binnen 1h verschwunden. Es gelten allerdings gewisse Vorsichtsmaßnahmen am Tag der Behandlung und den darauffolgenden. So sollten Sie zB körperliche Anstrengungen meiden, Sauna und Solarium nicht besuchen und die Haut keiner übermäßigen UV-Strahlung aussetzen.

Die endgültigen Kosten richten sich nach der GOÄ, ein ungefährer Richtwert sind € 250 pro behandelter Region.

BOTOX ohne Wirkung: Die Gründe

Indem wir den Arzt in das Zentrum des Problems gerückt haben, sind wir auch des Pudels Kern ein ordentliches Stück näher gekommen. Ein Versagen der Botulinumtherapie hat somit in der Regel eine von drei Ursachen, von denen zwei wahrscheinlich sind und die dritte eher unwahrscheinlich.

Hier zunächst die beiden wahrscheinlichen Ursachen, die im Anschluss an das oben Gesagte an den Arzt anknüpfen:

  1. Die Indikation von Botulinumtoxin war von vornherein falsch. Vor allem deshalb, weil der zu behebende Zustand nicht ursächlich auf Muskelkontraktion zurückzuführen war. Die durch das BOTOX bewirkte Entspannung kann daher auch nichts zur Behebung des unerwünschten Zustandes beitragen.

    Auch das oben schon kurz angesprochene Problem eines erhöhten Muskeltonus fällt in diese Kategorie: Das BOTOX kann hier zwar seine Wirkung entfalten, aber damit nicht die Falten völlig zum Verschwinden bringen.

    Man spricht in derartigen Fällen von “primärem Therapieversagen”. Tritt ein primäres Therapieversagen auf, dann hat der Arzt – simpel gesprochen – eine Fehldiagnose gestellt. So etwas kann vorkommen, aber es sollte in medizinischen Fachkreisen selten sein. Eine profunde ästhetisch-medizinische Ausbildung sowie gute anatomische und dermatologische Fachkenntnisse sorgen in der Regel für ein hohes Maß an diagnostischer Zuverlässigkeit.
  2. Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist zwar im Prinzip richtig, dennoch wirkt die Therapie nicht wie erwünscht. In diesem Fall kann eine Reihe von Gründen ursächlich sein, bei denen man von “sekundärem Therapieversagen” spricht:
    1. Die Botulinum-Dosierung war zu niedrig
    2. Die Injektionspunkte trafen nicht die richtigen Muskeln
    3. Die Injektionstechnik war nicht korrekt
    4. Der Wirkstoff hatte Qualitätsmängel (z.B. wegen unsachgemäßer Lagerung). Dazu muss man wissen, dass die gängigen Botulinum-Präparate als Pulver in Verkehr gebracht werden und im Kühlschrank gelagert werden müssen. Fertige Botulinum-Lösungen müssen je nach Präparat binnen 8 bzw. 24 Stunden verarbeitet werden.

      BOTOX wirkt nicht mehr in voller Stärke, wenn diese Frist überschritten wird. Ich habe es mir deshalb in meiner Praxis zur Angewohnheit gemacht, Botulinum-Lösungen überhaupt nicht längere Zeit zu lagern sondern sofort zu verbrauchen.
    5. Die Erwartungen waren, das wurde in der Einleitung schon angedeutet, unrealistisch. Dieser Grund könnte natürlich auch unter Hauptpunkt 1 (Primäres Therapieversagen) aufgeführt werden, aber ich nenne ihn hier. Und ich wiederhole noch einmal das weiter oben Gesagte: Falsche Erwartungen zu wecken, etwa durch optimistische “BOTOX vorher nachher” Darstellungen, oder im Patientengespräch nicht auszuräumen, ist ein Versagen des Therapeuten. Das Urteil “BOTOX wirkt nicht” geht hier am zentralen Teil des Problems vorbei.
Infografik: Therapieversagen bei Botulinumtoxin A

Tipp: Den Therapeuten sorgfältig auswählen!

Fasst man alles bisher Gesagte zusammen, dann liegt die Schlussfolgerung auf der Hand:

Botulinumtoxin mag an sich noch so wirksam und zuverlässig sein, in der ärztlichen Praxis gibt es eine Menge Dinge, die schief gehen können. Und deshalb gilt wie immer in der Medizin und vor allem in der ästhetischen Medizin:

Die Qualifikation und Professionalität Ihres Therapeuten entscheidet über Erfolg oder Misserfolg!

Das gilt insbesondere bei BOTOX Billig- und Diskontangeboten: Seien Sie sich bitte im Klaren darüber, dass der Löwenanteil der BOTOX Kosten auf den Wirkstoff selbst entfällt. Nur wenige Präparate sind gesetzlich zugelassen, und die Hersteller betreiben eine rigorose Preispolitik.

Ein Therapeut, der 50 Einheiten Vistabel für unter 150 Euro spritzt (und derartige Angebote gibt es), verdient daran so gut wie nichts. Was kann man von einer solchen Behandlung erwarten? Ich für meinen Teil wäre skeptisch. Qualität hat ihren Preis, auch und gerade in der ästhetischen Medizin.

BOTOX wirkt nicht wegen Resistenz

Kommen wir damit zur dritten möglichen Ursache. Sie ist eher unwahrscheinlich, wie ich oben bereits geschrieben habe, aber dennoch nicht ganz auszuschließen: die BOTOX-Resistenz.

Sie fällt ebenfalls in die Kategorie des “sekundären Therapieversagens”. Patienten, auf die dieser Befund zutrifft, sind tatsächlich gegen das Botulinumtoxin A immun. Oder sie sind im Laufe der Zeit immun geworden. Derartige Fälle gibt es, sie sind aus der Botulinum-Behandlung neurologischer Erkrankungen bekannt.

Dystonie-Patienten zum Beispiel entwickelten im Laufe der Botulinum-Therapie Antikörper gegen das Toxin. Allerdings betraf der Befund lediglich 3-10% der in der Studie untersuchten Personen. Und Achtung: Wir sprechen über Neurologiepatienten! In der Neurologie wird BOTOX in sehr viel höheren Dosierungen verabreicht als in der ästhetischen Medizin.

In der kosmetischen Anwendung von Botulinumtoxin A sind Immunreaktionen deshalb sogar noch unwahrscheinlicher. Die Dosierungen sind in der Regel viel zu gering,  um die Bildung von Antikörpern hervorzurufen.

Allerdings, darauf deuten jüngere Studien zumindest hin: Wiederholte Behandlungen mit Botulinumtoxin A in sehr kurzen Zeitabständen bergen ein erhöhtes Risiko. Die vielerorts angepriesenen “BOTOX Booster”-Sitzungen lehne ich aus diesem Grund auch entschieden ab und biete sie in meiner Praxis in München nicht an.

Was sagt der Hersteller von BOTOX dazu?

Ganz in diesem Sinne wird auch ALLERGAN, der Hersteller von BOTOX, auf einer amerikanischen Website zitiert:

“Gelegentlich können einige Patienten eine Immunreaktion auf BOTOX entwickeln, die die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen kann. Denn BOTOX ist ein Proteinkomplex, und bei einigen Patienten kann das Immunsystem des Körpers reagieren, indem es “blockierende” oder neutralisierende Antikörper produziert, die in der Lage sind, die biologische Aktivität des Proteins zu inaktivieren.

Die Antikörperbildung ist eher problematisch, wenn Patienten häufig injiziert werden müssen oder wenn sie zur Behandlung von Krankheiten wie z.B. Gebärmutterhals-Dystonie eingesetzt wird, die eine höhere Dosis erfordern.

Neuere Langzeitstudien haben jedoch gezeigt, dass die Immunogenität auch bei dieser Behandlung ein geringes Problem darstellt. Die Gebrauchsinformationen für BOTOX weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Potenzial für die Bildung von Antikörpern minimiert werden kann, indem mit der niedrigsten effektiven Dosis gespritzt wird, die in den längsten möglichen Abständen zwischen den Injektionen gegeben wird.”

Kein Fehler sondern Absicht: Niedrige Dosierung bei der Erstbehandlung

Soweit also zu den echten “Fehlfunktionen” der BOTOX Behandlung.

Nun aber noch abschließend zu einem weiteren Grund für eine ausbleibende oder zu schwache Wirkung von BOTOX, die zwar als Therapieversagen gedeutet werden könnte, aber keines ist. Nämlich der Fall, in denen der Arzt die Dosierung des Botulinumtoxins BEWUSST niedrig wählt. Wie ich es zum Beispiel in meiner Praxis in München regelmäßig mache.

Wann mache ich das? Wenn ich Patientinnen und Patienten zum ersten Mal für eine BOTOX-Behandlung sehe. Ich kann dann nicht wissen, wie der Organismus des Patienten genau auf das Botulinumtoxin reagiert. Ich habe auch noch keine früheren BOTOX Erfahrungen in der Patientenakte gespeichert.

In diesen Fällen dosiere ich mit Absicht etwas vorsichtiger. Denn eine zu geringe Wirkung lässt sich beim Kontrolltermin 14 Tage später problemlos korrigieren (für den Patienten natürlich kostenlos). Eine versehentliche Überdosierung ist hingegen kaum zu beheben. Mit der müssten Sie als Patient mehrere Monate lang zurechtkommen. Tausendmal lieber höre ich dann vom Patienten beim Kontrolltermin “Mein Botox wirkt nicht stark genug” als “Ich kann nicht mehr sprechen und nicht mehr trinken”.

Das klingt lustiger als es ist. Wenn Sie es mir nicht glauben, dann googeln Sie doch mal nach Erfahrungsberichten bei BOTOX-Überdosierung…

Falls Sie nach Ihrer erstmaligen Behandlung mit Botulinumtoxin beim Arzt ihrer Wahl die gewünschte Wirkung also erst durch “Nachbessern” beim Kontrolltermin erhalten (wie er es Ihnen hoffentlich bei der Behandlung als Möglichkeit vorhergesagt hat), seien Sie ihm oder ihr nicht böse: Vermutlich hat er/sie nicht fehlerhaft gehandelt. Sondern im Gegenteil: vorsichtig, ganz in Ihrem Interesse.

Was kann ich tun, wenn BOTOX bei mir nicht wirkt?

Aus allem bisher Gesagten, ergeben sich für Sie folgende Handlungsoptionen:

  • Sie sollten zunächst das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Kommen sie beide überein, dass die Botulinum-Behandlung in Ihrem Fall nicht erfolgreich war, dann gilt es, die Ursachen zu ergründen. Ihre Patientenakte und die Fotodokumentation der Ausgangssituation und der angezeichneten Injektionspunkte sollte Aufschluss darüber geben, ob das Vorgehen Ihres Arztes prinzipiell korrekt war.

    Zudem sollte er sich die Chargen-Nummer des bei Ihnen verwendeten BOTOX-Präparats notiert haben, mittels der er beim Hersteller recherchieren kann, ob es zu dieser Produktionscharge etwaige Reklamationen bezüglich der Wirksamkeit gibt.
  • Als Ergebnis dieses Gesprächs werden Sie eventuell einen zweiten Versuch wagen, womöglich mit erhöhter Dosierung oder modifiziertem Injektionsschema, wenn der Verdacht besteht, dass es daran gelegen haben könnte.
  • Vielleicht entziehen Sie Ihrem bisherigen Arzt das Vertrauen und versuchen es bei einem anderen noch mal. Das hängt vermutlich ganz davon ab, wie gut Ihr Vertrauensverhältnis zu Ihrem bisherigen Arzt ist und welche Eindrücke Sie aus dem Gespräch gewonnen haben.

    Fühlen Sie sich in Ihrer Kritik verstanden? Haben Sie nach wie vor Vertrauen in die Fähigkeiten Ihres Arztes? Zeigte er sich aktiv an der Aufklärung interessiert oder wollte er eher beschwichtigen? Das sind sehr persönliche Fragen, die einer sehr persönlichen Entscheidung bedürfen. Nur Sie können sie treffen. “Arzt Hopping” ist zwar in der Regel keine gute Idee, aber wenn Sie zu Ihrem Arzt kein Vertrauensverhältnis mehr haben, dann bleibt kaum etwas anderes übrig.
  • Falls auch eine weitere BOTOX-Behandlung nicht zum Ergebnis führt, obwohl davon auszugehen ist, dass sie prinzipiell als Therapie geeignet ist und auch das Vorgehen des Arztes keine Fehler aufweist, dann sollten Sie erwägen, sich auf BOTOX-Resistenz testen zu lassen. Eventuell gehören Sie ja tatsächlich zur kleinen Schar von Menschen, die gegen das Botulinumtoxin A immun ist, aus welchen Gründen auch immer.

    Es sind verschiedene Antikörper-Tests verfügbar, die mittels Oberflächen-Elektromyografie die elektrische Aktivität von Muskelfasern messen und als sogenanntes Elektromyogramm aufzeichnen. Beim BOTOX-Antikörper-Test wird die Amplitude eines gemessenen Aktionspotenzials aufgezeichnet und dokumentiert. Dann wird BOTOX in den Muskel injiziert und nach 4 Wochen erneut gemessen. Zeigt die neue Messung eine unveränderte Amplitude, dann besteht tatsächlich BOTOX Resistenz. Fällt die Amplitude hingegen geringer aus als bei der ersten Messung, dann liegt keine Resistenz vor.
  • Sollte sich herausstellen, dass sie immun gegen BOTOX sind, dann seien Sie versichert, dass es eine Reihe anderer Möglichkeiten in der Faltentherapie gibt, die BOTOX ebenbürtig und in einigen Fällen sogar überlegen sind.

    Hyaluronsäurefiller wären an dieser Stelle als erstes zu nennen, aber auch Fadenlifting oder PRP. Bei kleineren Fältchen können Sie selbst mit regelmäßiger Mikrodermabrasion und Fruchtsäurepeelings gute Erfolge erzielen.

    In den USA laufen zudem klinische Versuche in der ästhetischen Anwendung von Botulinumtoxin Typ B, das sich in erwiesenen Fällen von Resistenz gegen Typ A als durchaus wirksam erwiesen hat und für neurologische Anwendungen unter den Bezeichnungen MYOBLOC (USA) und NEUROBLOC (Europa) bereits vermarktet wird.

    Diese Versuche sind allerdings in einem frühen Stadium und die bisherigen Ergebnisse sind nicht berauschend. Zwar scheint das Toxin B in allen Fällen zu wirken, in denen Typ A wegen Immunresistenz in der Faltenbehandlung versagte. Aber die Behandlungen sollen deutlich schmerzhafter sein und die Nebenwirkungen unangenehm. Meiner Einschätzung nach ist Botulinumtoxin Typ B daher in der ästhetischen Medizin (noch) bis auf weiteres Zukunftsmusik.

    Aber wie gesagt: Es muss auch wirklich nicht immer und unbedingt BOTOX sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten. Oder – wenn Sie möchten – gerne auch von mir.
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