Botox wirkt nicht? Das sind die Gründe!

Ausbleibende Wirkung bei Botox

Sie ärgern sich darüber, dass Botox bei Ihnen nicht wirkt? Oder nicht mehr wirkt? Obwohl die Behandlung erst ein paar Wochen her ist? Ein sogenanntes „Therapieversagen“ gibt es in der Medizin immer wieder, und leider auch bei Botox. Man spricht davon, wenn der Patient, der Arzt oder beide mit dem Ergebnis der Behandlung nicht zufrieden sind. Und wenn die Wirkung von Botox ausbleibt, dann ist das sicher der Fall.

Man kann zwar davon ausgehen, dass dieser Fall recht selten eintritt und Botox in der Regel zuverlässig wirkt. Denn das haben Studien oft belegt. Aber wenn es einem dann doch passiert, man vor dem Spiegel steht und enttäuscht feststellt: „Botox wirkt bei mir nicht“, dann ist das sehr ärgerlich. Schließlich hat man Zeit und Geld investiert, und eine Prozedur über sich ergehen lassen, die nicht angenehm ist. Zudem hatte man hohe Erwartungen an das kosmetische Ergebnis, das jetzt ausbleibt.

Primäres Therapieversagen

Für Unzufriedenheit mit dem Ergebnis einer Therapie gibt es immer ein breites Spektrum an Gründen. Man kann diese in einem ersten Schritt grob einteilen, in dem man primäres und sekundäres Therapieversagen unterscheidet. Zeigt Botox von Anfang an keine Wirkung, obwohl der Arzt bei der Zubereitung und Verabreichung der Botox-Spritzen alles richtig gemacht hat, dann spricht man von „primärem Therapieversagen.“ Dazu zählt z. B. die fehlerhafte Indikation, bei der das Ziel der Behandlung von vornherein mit Botox nicht zu erreichen war. Der Versuch, Schlaffalten mit Botox zu behandeln, wäre hier zu nennen. Denn sie sind mit Botox nicht behandelbar.

Sekundäres Therapieversagen

Dagegen spricht man von „sekundärem Therapieversagen“, wenn in einer laufenden Behandlung Botox ohne Wirkung bleibt: Die Therapie ist zunächst erfolgreich und die Ergebnisse sind wie erwartet. Aber von einem auf das nächste Mal wirkt das Botox nicht mehr. Oder seine Wirkung verblasst nach kurzer Zeit. Auch hierfür kann es viele Gründe geben: von der falschen Zubereitung der Spritzen durch den Arzt bis zum Auftreten einer Resistenz beim Patienten.

Sehen wir uns die Gründe für ein Ausbleiben der Botox-Wirkung der Reihe nach an. Und gehen wir dabei zunächst auf zwei wichtige Aspekte ein, die zu primärem Therapieversagen führen: zu hohe Erwartungen und Indikationsfehler. Danach betrachten wir das sekundäre Therapieversagen. Und dabei etwas genauer die Möglichkeit der Botox-Resistenz.

Das sind die Themen:

Die gute Nachricht: Botox wirkt fast immer

Studien: Botox wirkt zuverlässig

Die gute Nachricht vorweg: Der Befund, dass die Wirkung von Botox ausbleibt, ist selten. Im Gegenteil: Die Therapie glänzt sogar mit hohen Zufriedenheitswerten von 80–90 %. Studien belegen das immer wieder. Eine Studie spricht z. B. davon, dass 9 von zehn Personen sich auch 4 Monate nach der Behandlung deutlich besser fühlen. Probanden waren mit der Wirkung zufrieden und wollten Botox auf jeden Fall weiterempfehlen.

Eine andere Studie weist nach, dass Personen, die mit Botox ihre Stirn behandeln ließen, danach signifikant glücklicher waren als die Kontrollgruppe. Das deckt sich mit der heute gut belegten Vermutung, dass Botox gegen Depressionen helfen kann. Kann man diese Studien stets und in jedem Punkt verallgemeinern? Vielleicht nicht. Aber dennoch bleibt als Fazit: Botox wirkt zumeist sehr zuverlässig.

Botox wirkt nicht – in Einzelfällen

Und doch passiert es, dass Botox hinter den Erwartungen zurückbleibt. Patienten sind dann zu Recht enttäuscht. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen: Kosten von mehreren Hundert Euro steht kein Ergebnis gegenüber, das diesen Aufwand wert wäre. Aber oft geht es auch um mehr als nur Geld: Wer sich mit Botox gegen bestimmte Leiden behandeln lässt, wie Spasmen, Dystonien oder Migräne und Bruxismus, der hofft auf eine echte Steigerung seines Wohlbefindens. Umso größer ist dann der Frust, wenn die Therapie versagt. Und in der neurologischen Therapie ist es leider so, dass Botox recht oft nicht so wirkt wie erhofft.

Bereits mit der Zulassung von Botox bei chronischer Migräne zum Beispiel war klar, dass die Therapie bei einem hohen Prozentsatz von Patienten versagen würde. Ob man ein solcher Patient ist, weiß man aber in der Regel erst im Nachhinein. Und bei allem, was man heute über die genaue Wirkung von Botox weiß respektive noch nicht weiß, kann man dann oft nur sagen: leider Pech gehabt! Denn die konkreten Gründe für das Versagen sind meist nicht einmal klar. Der umsichtige Arzt wird die Erwartungen seines Patienten entsprechend lenken, indem er bereits vor Beginn der Therapie auf diese Möglichkeit hinweist. Zudem wird er den Therapieplan so gestalten, dass an vorab definierten Punkten der Abbruch erfolgt, falls die Wirkung ausbleibt. Bei chronischer Migräne etwa ist das nach der dritten erfolglosen Behandlung vorgesehen.

Unrealistische Erwartungen

Zu den zentralen Aufgaben des Arztes gehört es, die Erwartungen seiner Patienten auf realistischem Niveau zu halten. Und in der ästhetischen Medizin ist das oft genug eine Herausforderung. Denn das eigene Aussehen wird emotional beurteilt und Erwartungen an einen kosmetischen Eingriff sind nicht selten überzogen. Hinzu kommt, dass es die ästhetische Medizin und viele, die mit ihr Geld verdienen, bei ihren Versprechungen auch selbst gerne übertreiben.

Flankiert wird das Ganze von Tausenden Beauty-Influencern auf Instagram, die jedem auf perfekt gestylten Fotos vorgaukeln: „So kannst Du auch aussehen!“ Und ebenso vielen „Vorher-Nachher-Bildern“, die angeblich aus echten Behandlungen stammen. Bei denen der Profi aber auf den ersten Blick erkennt, dass nur einer als Therapeut tätig war: „Dr. Photoshop“! All das muss der Arzt objektivieren. Wenn er es nicht schafft, die Erwartungen seiner Patienten realistisch zu lenken, dann wird nach der Behandlung die Enttäuschung in vielen Fällen groß sein.

Der Arzt im Zentrum der Kritik

An dieser Stelle im Text ist schon zu erkennen, dass für ein primäres Therapieversagen von Botox in der Regel der Arzt einstehen muss. Wenn nämlich die Erwartungen an das Ergebnis zu hoch lagen, dann hätte der Arzt sie auf ein realistisches Maß stutzen müssen. Und wenn die Indikation falsch war, und Botox von vornherein kein geeignetes Mittel, um das Ziel der Therapie zu erreichen, dann handelt es sich schlicht um eine Fehldiagnose. In der Praxis wird man davon ausgehen können, dass die überwiegende Zahl der Fälle, in denen Botox ohne Wirkung bleibt, in eine dieser beiden Kategorien fällt.

Ein dritter Grund schließlich, für den ebenfalls der Arzt verantwortlich zeichnet, liegt in der nicht korrekten Zubereitung und Anwendung des Toxins. Dazu zählen auch Fehler bei der Lagerung. Botox-Präparate sind zwar keine allzu sensiblen Medikamente, sie müssen aber doch bei einer bestimmten Temperatur im Kühlschrank gelagert werden. Und vor der Anwendung am Patienten muss Botox in einem exakten Verhältnis mit Kochsalzlösung verdünnt werden. In verdünntem Zustand darf es dann aber nur für kurze Zeit aufbewahrt werden. Können bei allen diesen Handlungen Fehler gemacht werden, die dazu führen, dass Botox an Wirkung einbüßt? Aber natürlich!

Dissens zwischen Arzt und Patient

Ein weiterer Punkt, bei dem der Arzt die entscheidende Rolle spielt, liegt in der Frage der Beurteilung des Ergebnisses. Es kann ja sein, dass Arzt und Patient dazu unterschiedlicher Meinung sind. Wenn der Patient etwa meint, die Wirkung von Botox sei ausgeblieben, der Arzt den Erfolg aber sehr wohl sieht, dann liegt offenkundig ein Dissens vor. Wie kommt man davon wieder weg und zu einem gemeinsamen Urteil? Tatsächlich haben ja Studien gezeigt, dass Ärzte und Patienten die Wirkung von Botox im Vergleich zu Placebo sehr unterschiedlich beurteilen. Wobei die Ärzte allerdings deutlich öfter richtig lagen als die behandelten Patienten.

In einer solchen Situation wird nur das klärende Gespräch weiterhelfen. Der umsichtige Arzt hat den Ausgangszustand dokumentiert, verbal und mit Fotos. Es sollte deshalb möglich sein, das Ergebnis mit dem Ausgangszustand zu vergleichen. Und die Unterschiede sachlich zu diskutieren. Meiner Erfahrung nach ist dafür das persönliche Gespräch nötig. Allein schon, um die Vergleichbarkeit sicherzustellen. Denn bei all den Selfies, die einem Patienten in solchen Fällen spontan per E-Mai oder Messenger senden, sieht man sofort, dass schon die Lichtverhältnisse bei der Aufnahme dazu führen, dass von Vergleichbarkeit keine Rede mehr sein kann. Hier kann man als Arzt also nur dafür plädieren, den Ist-Zustand nach der Behandlung unter gleichen Bedingungen zu beurteilen wie den Ausgangszustand. Bei annähernd gleichen Lichtverhältnissen in der Arztpraxis. Nur so wird man Ergebnisse objektiv diskutieren und Dissens verhindern können.

Fehldiagnosen 

Fehldiagnosen und Anwendungsfehler liegen in der Schuld des Arztes. Darüber muss man nicht diskutieren. Wenn Botox gegen Falten gespritzt wurde, die nicht mimischen Ursprungs sind, dann ist der Misserfolg vorprogrammiert. Die muskuläre Entspannung, die das Toxin bewirken sollte, mag dabei exakt so eintreten, wie geplant. Allein, sie wird zur Verbesserung des Faltenbildes nichts beitragen können. Schlaffalten sind hier zu nennen. Oder die Nasolabialfalte. Beide sind mit Botox nicht behandelbar.

Ein ähnliches, vermutlich recht häufiges Problem, dürfte darin liegen, dass der Muskeltonus unterschätzt wird. Und die Wirkung von Botox damit überschätzt. Als Muskeltonus wird die Grundspannung eines Muskels bezeichnet, die selbst im Zustand der Entspannung anliegt. Botox führt dann zwar zur Entspannung, aber diese reicht nicht aus, um Falten restlos zu beseitigen. Oder die Falten sind zunächst weg, aber bereits nach 3 Monaten scheint die Wirkung von Botox wieder wie verflogen. Dem erfahrenen Arzt sollte das nicht passieren. Es mag Fälle geben, deren Beurteilung schwierig und die Wirkung nicht exakt vorhersehbar ist. Aber dann liegt es wiederum beim Arzt, den Patienten auf das Risiko hinzuweisen, um seine Erwartungen entsprechend zu lenken.

Botox-Wirkung und Muskeltonus

Der brasilianische Chirurg und Botox-Experte Mauricio de Maio unterscheidet in diesem Zusammenhang „kinetische“, „hyperkinetische“ und „hypertonische“ Patienten. Bei kinetischen Patienten entspricht das Faltenbild dem mimischen Ausdruck, d. h. Falten zeigen sich dann, wenn gelacht oder die Stirn gerunzelt wird, sonst aber nicht. Bei solchen Patienten ist davon auszugehen, dass Botox wirkt, wie es wirken soll, und das volle 6 Monate lang.

Bei hyperkinetischen Patienten ist die Mimik überaktiv. Ihr Gesicht ist praktisch ständig in Bewegung, wenn sie etwas erzählen oder auch nur aufmerksam sind. Botox sollte bei ihnen nach de Maio zwar zunächst einwandfrei wirken. Aber absehbar deutlich kürzer, in der Regel 3–4 Monate lang.

Hypertonische Patienten schließlich sind in ihrer Muskulatur bereits so stark angespannt, dass Botox keine vollständige Entspannung mehr bewirken kann. Das Faltenbild wird sich zwar bessern, aber nie ganz verschwinden. Und die Wirkung von Botox wird auch nur um die 3 Monate anhalten.

Wie im folgenden Screenshot aus einem Online-Training zu sehen ist, plädiert de Maio entschieden dafür, den Patienten darüber vor der Behandlung zu informieren. Nur dann kann er sich realistische Erwartungen bilden. Und Enttäuschungen über das Ergebnis bleiben aus.

Die Wirkung wie auch die Wirkdauer von Botox hängen wesentlich vom Muskeltonus ab. Der brasilianische Arzt und Experte Mauricio de Maio unterscheidet 3 Patientengruppen: kinetisch, hyperkinetisch und hypertonisch. (Screenshot Allergan Medical Institute/Mauricio de Maio, 9. Juni 2021)

Anwendungsfehler

Anwendungsfehler liegen immer dann vor, wenn die Behandlung mit Botox zwar richtig indiziert, aber dann nicht korrekt durchgeführt wird. Erneut sind mehrere Fälle denkbar:

  1. Die Botox-Dosierung war zu niedrig
  2. Die Injektionen trafen nicht die richtigen Muskeln
  3. Die Injektionstechnik war nicht korrekt
  4. Die Botox-Spritze hatte Qualitätsmängel (z. B. wegen unsachgemäßer Lagerung)

Wieder kann man nur feststellen, dass dem mit Botox erfahrenen Arzt solche Fehler in der Regel nicht passieren. Wie vorhin schon bei der Indikationsstellung mag es Grenzfälle geben, in denen die muskuläre Anatomie ein Risiko birgt, dass der falsche Muskel injiziert wird und der erwünschte Effekt auf das Faltenbild ausbleibt. Der Arzt muss das bereits im Vorfeld ansprechen und den Patienten auf das Risiko hinweisen. Allein schon deshalb, weil das irrtümliche Injizieren des falschen Muskels nicht nur dazu führen kann, dass die kosmetisch erwünschte Wirkung ausbleibt. Sondern auch dazu, dass kosmetisch unerwünschte Folgen auftreten. Als Beispiel seien „Spock-Augenbrauen“ oder hängende Mundwinkel genannt. Den Patienten über das Risiko im Unklaren zu lassen, kann also nicht nur dazu führen, dass vom Patienten am Ende eine ausbleibende Wirkung beklagt wird. Sondern auch dazu, dass er über unvorhergesehene Effekte entsetzt ist.

Botox wirkt nicht wegen Resistenz

Wir haben bis jetzt über zu hohe Erwartungen seitens des Patienten gesprochen und über Behandlungsfehler des Arztes. Wir haben auch festgehalten, dass falsche Erwartungen des Patienten, die vom Arzt nicht korrigiert werden, ebenso dem Arzt zuzurechnen sind. Kommen wir damit jetzt zu einer dritten möglichen Ursache, für die der Arzt in den meisten Fällen nichts kann: die Botox-Resistenz. Sie tritt auf, wenn der Patient Antikörper gegen Botox entwickelt. Und es damit zu einer Immunreaktion kommt, die die Wirkung von Botox unterbindet. Das passiert bei Botox sehr viel seltener als gemeinhin angenommen. Und in der kosmetischen Botox-Therapie so gut wie gar nicht. Die wenigen Fälle von Botox-Resistenz betreffen fast immer Patienten, die damit gegen Spasmen oder Dystonien behandelt werden. Das erklärt sich aus den dabei verwendeten sehr hohen Wirkstoffdosen. In Studien mit Dystonie-Patienten kam es z. B. bei 3–10 % der Fälle zu einer Botox-Resistenz nach mehrmaliger Behandlung. Wie entsteht eine Botox-Resistenz?

Antikörper gegen Botox

Botox enthält biologisch aktive wie auch biologisch nicht aktive Eiweiß-Moleküle. Beide können vom Immunsystem als Antigene erkannt werden. Das Immunsystem antwortet darauf mit der Bildung von Antikörpern. Die Antikörper binden an die Botox-Moleküle und inaktivieren sie. Wenn es sich dabei um Moleküle handelt, die sowieso biologisch inaktiv waren, dann hat das auf die Wirkung keinen Einfluss. Binden die Antikörper hingegen an den biologisch aktiven Teil des Botox, dann wird seine toxische und therapeutische Wirkung blockiert. Neuere Studien zeigen aber, dass die Blockade mit der Zeit auch wieder vergeht. Im Verlauf von 2 bis 3 Jahren sinkt die Zahl der Antikörper wieder, sodass dann eine Therapie womöglich Erfolg zeigt.

Wie vermeidet man Botox-Resistenz?

Die Bildung von Antikörpern ist dann problematisch, wenn Botox in hohen Dosen und kurzen zeitlichen Abständen gespritzt wird. Das kann in der neurologischen Therapie eine Herausforderung darstellen. Bei kosmetischen Anwendungen aber kaum. 50-100 Einheiten Botox alle 4–6 Monate stellen kein großes Risiko für die Bildung von Antikörpern dar. Der erfahrene Arzt wird das berücksichtigen und von Botox in sehr kurzen Intervallen („Botox-Booster“) abraten. Tut er das nicht, dann macht er sich auch bei der Resistenz zumindest mitschuldig.

Botox wirkt bei mir nicht – Was kann ich tun?

Kommen wir damit zum Ausgangspunkt dieses Beitrags zurück: Sie stehen vor dem Spiegel und stellen enttäuscht fest: „Botox wirkt nicht bei mir.“ Was können Sie tun?

Klärendes Gespräch mit dem Arzt

Suchen Sie zunächst einmal das Gespräch mit Ihrem Arzt. Wenn er Ihnen zustimmt, dass Botox bei Ihnen keine Wirkung zeigt, dann gilt es, die Ursachen zu ergründen. Ihre Patientenakte und die Fotos des Ausgangszustandes sollten Aufschluss darüber geben, ob das Vorgehen Ihres Arztes prinzipiell korrekt war. Zudem sollte die Chargen-Nummer des verwendeten Präparats vorliegen, anhand der beim Hersteller nachgefragt werden kann, ob bei dieser Charge Probleme bekannt sind. Als Ergebnis des Gesprächs werden Sie eventuell einen zweiten Versuch wagen. Womöglich mit höherer Dosierung oder modifiziertem Injektionsschema, wenn der Verdacht besteht, dass es daran gelegen haben könnte.

Arztwechsel

Vielleicht entziehen Sie Ihrem Arzt aber auch das Vertrauen und versuchen es woanders noch mal. Das wird davon abhängen, wie gut das Vertrauensverhältnis zu Ihrem bisherigen Arzt war und welche Eindrücke Sie aus dem Gespräch gewonnen haben. „Arzt Hopping“ ist zwar in der Regel keine gute Idee, aber wenn Sie das Vertrauen zu Ihrem Arzt verloren haben, dann bleibt Ihnen auch nichts anderes übrig. Viele Ärzte spritzen heute Botox gegen Falten, auch solche, deren Fachgebiet und Fokus wenig mit kosmetischer Faltentherapie zu tun hat. Ein gewisses Risiko, an den Falschen geraten zu sein, ist deshalb nicht völlig von der Hand zu weisen.

Auf Resistenz testen lassen

Falls auch eine weitere Behandlung keine Wirkung zeigt, obwohl davon auszugehen ist, dass alles richtig gemacht wurde, dann sollten Sie erwägen, sich auf Botox-Resistenz testen zu lassen. Eventuell gehören Sie ja tatsächlich zur kleinen Schar von Menschen, die gegen das Botulinumtoxin A immun ist. Aus welchen Gründen auch immer. Wie zuvor erwähnt, ist das zwar unwahrscheinlich. Aber ganz ausschließen kann man es eben nicht.

Beim Test auf Botox-Resistenz wird mittels Oberflächen-Elektromyografie die elektrische Aktivität von Muskelfasern gemessen. Als Ergebnis erhält man ein Elektromyogramm. Der Ablauf ist dabei wie folgt: Zunächst wird die Amplitude des gemessenen Aktionspotenzials eines Muskels aufgezeichnet und dokumentiert. Dann wird Botox in den Muskel injiziert. 4 Wochen später wird wieder gemessen. Wenn die neue Messung eine geringere Amplitude zeigt als bei der ersten Messung, dann hat das Botox gewirkt und es besteht keine Resistenz. Ist die Amplitude hingegen unverändert, dann liegt eine Resistenz vor.

Botox-Alternativen erwägen

Sollte sich herausstellen, dass eine Resistenz besteht und Sie immun gegen Botox sind, dann seien Sie nicht zu sehr enttäuscht. Zur Behandlung von Falten gibt es eine Reihe anderer Möglichkeiten. Kosmetisch exzellente Ergebnisse können auch mit diesen erreicht werden. Unterspritzung mit Hyaluron wären an erster Stelle zu nennen, aber auch Fadenlifting oder PRP. Bei kleineren Fältchen können Sie selbst mit Microneedling und chemischen Peelings gute Erfolge erzielen.

FAQ: Wann und wie wirkt Botox?

Ich füge meinem Text eine kurze FAQ als Exkurs an. Darin stelle ich dar, wie Botox wirkt und wann die Wirkung einsetzt. Diese Information mag dabei helfen, die obigen Inhalte noch besser einzuordnen.

Wie wirkt Botox?

Botox ist ein Nervengift. Es wirkt an den „cholinergen Synapsen“. Die cholinergen Synapsen vermitteln die Kommunikation zwischen einer Nervenzelle und einer nachgelagerten Zelle. Die Kommunikation zwischen den Zellen erfolgt über Botenstoffe. Man spricht auch von „Neurotransmittern“. Der Botenstoff, der uns bei Botox interessiert, heißt „Acetylcholin“.

Botox hemmt nun die Sekretion von Acetylcholin. Und unterbricht damit die Kommunikation zwischen den Zellen. Genauer: zwischen Nerven- und Muskelzellen. Da die Kommunikation unterbrochen ist, erreichen Nervenimpulse den Muskel nicht mehr. Er ist gelähmt. Vielleicht nicht gleich ganz. Das hängt von der Dosis ab. Aber zumindest teilweise. Der starke Zug auf die Haut bleibt deshalb aus. Sie wird nun nicht mehr in Falten gelegt. Darauf beruht die Wirkung von Botox.

Wann wirkt Botox?

Nach der Injektion dauert es zwischen 24 und 48 Stunden, bis sich das Toxin an die Nervenzellen bindet und in diese eindringt. Der Prozess ist kompliziert und sieht vor, dass sich das 2-teilige Botox-Molekül aufspaltet. Nur der leichtere Teil, die „L-Kette“, dringt in die Nervenzelle ein. Dort spaltet Botox ein Protein, das für die Ausschüttung von Acetylcholin wichtig ist. Dadurch wird die Ausschüttung verhindert.

Die erste anfängliche Lähmung des Muskels tritt deshalb frühestens nach 1–2 Tagen ein. Es gibt Patienten, bei denen bereits ab dann das Faltenbild besser wird. Das ist aber sicher nicht bei allen Patienten so. Viele fragen sich deshalb, wie schnell Botox wirkt. Und werden bereits nach wenigen Tagen nervös. Besonders Patienten, die zum ersten Mal damit behandelt werden.

Wie lange es dauert, bis die volle Botox-Wirkung zu sehen ist, hängt aber von individuellen Faktoren ab. Besonders die Stärke der beteiligten Muskeln spielt eine Rolle. Aber auch ihre Grundspannung im Ruhezustand. Meiner Erfahrung dauert es 7–14 Tage, bis die volle Wirkung zu sehen ist. Bei Männern eher länger als bei Frauen. Wenn Sie deshalb feststellen, dass Botox bei Ihnen nach 3, 4 oder 5 Tagen noch nicht wirkt, dann seien Sie nicht gleich beunruhigt. Das ist normal. Erst wenn Sie nach 14 Tagen auch noch keine Wirkung sehen, dann sollten Sie ihren Arzt kontaktieren. In der Regel hat er aber dann ohnehin einen Kontrolltermin mit Ihnen vereinbart. Da kann man die ausbleibende Wirkung abklären.

Gibt es Botox-Spätfolgen?

Kurze Antwort: Nein, Botox verursacht keine Spätfolgen. Der oben skizzierte Prozess der Wirkung von Botox ist vollständig reversibel. Das bedeutet: Das Toxin verliert nach und nach an Wirkung, bis sie nach 4–6 Monaten ganz weg ist. Im Körper bleiben keine Spuren und kein „Gedächtnis“ zurück. Die Angst vor Botox-Spätfolgen ist daher unbegründet. Das haben auch Langzeitstudien oft gezeigt: Es gibt keine Botox-Spätfolgen.

Allerdings verlieren Muskeln an Kraft, wenn sie lange nicht aktiv sind. Das kennen Sie von Armen und Beinen. Bei mimischen Muskeln ist es nicht anders. Auch sie werden durch langes Ruhigstellen schwächer. Wenn man so will, dann kann man das als „Botox Spätfolge“ bezeichnen. Sie hat aber nur indirekt mit dem Toxin zu tun.

6 Gedanken zu „Botox wirkt nicht? Das sind die Gründe!“

  1. Sehr geehrte Frau Dr. med. Eva Maria Strobl,

    ich lasse mir jetzt schon 10 Jahre Botox injizieren und die Wirkung ist nach einem Monat futsch.Quasi verpufft!
    Ich bilde mir ein, das dass Nachspritzen einen minimalen Effekt bringt, der aber auch nicht von langer Dauer ist. (max 2 mon.)
    Das frustet ganz schön. Man sagte mir es liege an meinem zu „schnellen“ Stoffwechsel, wegen Hashimoto + ADHS Diagnose.
    Könnte es wirklich daran liegen? bzw. gibt es da Erfahrungswerte? Die bisherigen Ärzte können mir dabei nicht weiterhelfen.
    Beste Grüße
    BO

    • Liebe Britta,

      vielen Dank für Ihre interessante Frage. Mir sind keine Studien bekannt, bei denen Hashimoto oder ADHS als Ursache für eine verkürzte Wirkungsdauer in Erscheinung getreten wären. Soweit es Hashimoto betrifft, behandle ich eigene Patientinnen mit Botox, ebenfalls ohne Auffälligkeiten in Wirkungsdauer oder Nebenwirkungen (letzteres wurde vor ein paar Jahren auf den Verdacht hin untersucht, dass Botox und L-Thyroxin nicht miteinander harmonieren).

      Ein Monat ist sicherlich zu kurz, und zwei Monate sind es auch. Selbst unter ungünstigen Stoffwechselbedingungen sollte die Wirkung an 4 Monate heranreichen.

      Sie sind allerdings nicht die erste, die mir so etwas schildert. Darf ich Sie fragen, ob die Botox-Injektion vor Ihren Augen aus einer Original-Ampulle aufgezogen wurde? Sie können mir gerne auch per Direktmail eva@lipsandskin.de antworten.

      Mit besten Grüßen,

      Dr. Eva Maria Strobl

  2. Ich habe mal eine Frage, wegen der Wirkung von Botox. Wenn eine andere Ärztin sieht, dass bei mir die Stirn gespritzt ist, dann zeigt es wohl Wirkung oder?!

    Habe mir woanderst die Kaumuskeln spritzen lassen und Stelle nach einer Woche noch keine Wirkung fest?! Deshalb die Frage!

    • Hallo,
      ja, wenn die Stirn ganz oder teilweise immobilisiert ist, dann sieht man das natürlich. Sie ziehen die Stirn hoch und es tut sich nichts. Oder Sie gucken „böse“, aber es bildet sich keine Zornesfalte zwischen den Augen.

      Beim Massetermuskel ist das oft nicht sichtbar, wohl aber spürbar. Wenn Sie die Finger knapp oberhalb der Kieferkante anlegen und den Muskel anspannen (Beissbewegung), dann spüren Sie in der Regel, ob er sich weiterhin stark kontrahiert (beulenartig unter Ihren Fingern anschwillt) oder ob er das nicht mehr so stark macht wie vorher.

      Nach einer Woche sollten Sie zumindest einen guten Teil des Effekt spüren. Aber nicht unbedingt die volle Wirkung. Wenn Sie nach 14 Tagen noch immer keine deutliche Entspannung merken, dann würde ich bei Ihrem Arzt einen Kontrolltermin buchen und eventuell ein Nachdosierung vornehmen lassen

      LG,
      Dr. Eva Maria Strobl

  3. Dieses Beitrag ist der erste ehrliche und wertvolle, den ich , in den Jahren lese . Meine erste Behandlungen bei 4 verschiedenen Ärzten , waren einfach nur Patienten „abzocke“. Es wirkte überhaupt nicht. Alles renommierte Kleinstadt Ärzte mit tollen Vermögen und reichen Autos . Ich habe angeblich „Resistenz“ ! Wie kann ich Resistenz haben , wenn ich noch nie vorher damit Kontakt hatte. Resistenz entwickelt sich mit der Zeit. Irgendwann habe ich letzen Anlauf genommen und eine Ärztin noch mal dran gelassen . Ich bin geheilt ! Seid Jahren sind meine angeblichen Resistenzen verschwunden . Sie hätten mir mit ihrem Beitrag früher mindestens 1000 eur gespart ! Fast bin ich verärgert , das erst jetzt ein Arzt ehrlich ist . Ihr Beitrag ist patientenfreundlich und lösungsorientiert . Vielen Dank auch wenn ich nie zu ihnen kommen werde , ich habe bereits meine Ärztin , und sie ist seriös . Meine Antwort an alle Geschädigten , sofort neuen Arzt suchen , wenn ihnen jemand mit resistenten Sprüchen kommt! Die Lagerung ist das Stichwort und der Arzt !

    • Ja das habe ich angeblich auch

      Ich hatte aber da wo ich früher wohnte keine Resistenz da hat es sogar länger gehalten!

      Ich worde jetzt 2x beim gleichen Arzt gespritzt und anfangs habe ich mir eingebildet es ist besser aber nach zwei Wochen war wieder alles beim alten

      Ich bemerke das weil ich das wegen leichten Schlupflider, besonders rechts machen lassen es geht mir darum das ganze etwas anheben zu lassen nach zwei Wochen ist es wieder unten 😭

      Ich habe es 2-3 mal probiert, Fotos und Dokumentationen wurden keine gemacht
      Der Arzt meint es liegt an der Menopause

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