Botox gegen Bruxismus

Bruxismus-Therapie mit Botulinumtoxin

Botox hilft bei Zähneknirschen

Botox hilft auch gegen Zähneknirschen. Und Zähneknirschen, medizinisch „Bruxismus“, plagt mehr Menschen, als man denkt. Ob tagsüber oder nachts, manche Menschen knirschen regelmäßig mit den Zähnen. Bruxismus kann ernste Folgen haben, die von Zahnschäden bis zu Kopf- und Nackenschmerzen und sogar dem Auftreten von Tinnitus reichen. Die konventionelle Therapie von Bruxismus sieht Übungen zur muskulären Entspannung sowie Knirschschienen in der Nacht vor. Sie bringt Patienten oft nur wenig Linderung. Eine vielversprechende neue Therapie besteht aus der Entspannung des großen Kaumuskels mit Botox. In diesem Beitrag geht es um diese neue Therapie und was Sie darüber wissen müssen.

Das sind die Themen:

Zähneknirschen nachts, Schmerzen am Tag

was ist bruxismus?

Als „Bruxismus“ werden in der Medizin unbewusstes Pressen und Knirschen der Zähne bezeichnet. Es handelt sich dabei nicht um eine „schlechte Angewohnheit“, sondern um unbewusste und unkontrollierbare Bewegungsabläufe. Das Zähneknirschen gehört zu den sogenannten „Parafunktionen“, zu denen auch Lippenbeißen und Zungenkauen, Daumenlutschen oder Fingernägelkauen zählen. Bruxismus wird nach der Art seines Auftretens in 2 prinzipielle Typen unterteilt:

Schlafbruxismus

Beim Schlafbruxismus tritt das Zähneknirschen nachts während des Schlafens auf. Häufig lässt sich dafür keine Ursache feststellen, man spricht dann von „primärem Bruxismus.“ Dem gegenüber wird „sekundärer Bruxismus“ diagnostiziert, wenn nächtliches Zähneknirschen mutmaßlich die Folge einer Erkrankung ist. Von „iatrogenem Bruxismus“ spricht man schließlich, wenn das Zähneknirschen nachts als Nebenwirkung eines Medikaments auftritt.

Wachbruxismus

Der Wachbruxismus tritt im Gegensatz zum Schlafbruxismus tagsüber auf, bei vollem Bewusstsein. Wachbruxismus hat zumeist psychische Ursachen wie Stress oder Angst, kann aber auch die Folge von Schlafstörungen, erhöhtem Konsum von Alkohol, Koffein oder Nikotin und als Nebenwirkung von Medikamenten sein.

Bruxismus-Symptome

Da man Zähneknirschen nachts nicht direkt mitbekommt, lässt sich Bruxismus oft nur über seine typischen Folgen erkennen. Dazu zählen insbesondere Schmerzen an Zähnen und Kiefergelenken. Auch muskuläre Verspannungen sind typisch, speziell im Kopf- und Nackenbereich. Selbst als Verursacher von Migräne spielt Bruxismus eine Rolle. Denkbar sind zudem vielfältige andere Symptome, abhängig von den konkreten Ursachen des Zähneknirschens. Eine meiner Patientinnen in München litt etwa unter Tinnitus, ohne sich ihres nächtlichen Bruxismus überhaupt bewusst zu sein. Entsprechend erleichtert und überschwänglich erfreut war sie, als ich sie von ihrem Leiden erlöst hatte.

Bruxismus kann ernste Folgen haben

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Bruxismus können also durchaus schwerwiegend sein und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Ist die Kaumuskulatur soweit traumatisiert, dass es zu einer chronischen Verspannung kommt, dann können einzelne Muskelbereiche verhärten und zu chronischen Schmerzen führen. Und das nicht nur in unmittelbarer Umgebung der Kiefer, sondern auch weiter entfernt im ganzen Körper, zum Beispiel im Rücken oder in den Beinen. Mit den körperlichen Leiden gehen die psychischen oft einher: Schlafstörungen, nervliche Anspannung und generelles Unwohlsein sind typisch.

Konventionelle Therapien bei Bruxismus

Erste Anlaufstelle bei Bruxismus sollten immer Zahnarzt oder Kieferchirurg sein. Sie sind fachlich am besten dazu in der Lage, Bruxismus medizinisch korrekt zu diagnostizieren, die Ursachen des Zähneknirschens einzugrenzen und entsprechende Therapievorschläge zu unterbreiten.

Häufig wird ihre erste Empfehlung auf das Erlernen bestimmter Entspannungstechniken abzielen, bei Zähneknirschen nachts oft auch auf das Tragen einer „Knirschschiene“ (auch „Aufbissschiene“). Mit einer solchen Schiene wird zwar versucht, dem Verschleiß der Zähne infolge der dauernden mechanischen Beanspruchung zu begegnen; die Ursache als solche beseitigt sie jedoch nicht.

Masseter mit Botox unterspritzen

Botox gegen bruxismus

Wenn konventionelle Therapieempfehlungen nichts fruchten oder vom Patienten nicht durchgehalten werden können (man spricht von „fehlender Compliance“), so gibt es neuerdings die Möglichkeit, den Großen Kaumuskel (Musculus masseter) mithilfe von Botulinumtoxin zu entspannen. Der Hauptbeteiligte am Zähneknirschen wird dadurch für mehrere Monate gezielt ausgeschaltet. Die Linderung der Beschwerden erfolgt oft schnell und fällt dramatisch aus.

Wie Botox den Kaumuskel schwächt

Botox Masseter
Botox Masseter: Die Injektion des Botulinumtoxins erfolgt in 4-6 Injektionspunkte in der unteren Hälfte des Großen Kaumuskels.

Die Injektion von Botox in den Großen Kaumuskel sorgt dafür, dass dieser sich entspannt und das Zähneknirschen nachts aufhört. Der Muskel wird dabei nicht vollständig gelähmt, sondern nur geschwächt. Seine wichtigen Rollen beim Kauen und in der Mimik sollen ja erhalten bleiben.

Man kann mit Botox Zähneknirschen also direkt an den Ursachen behandeln, ohne größere Risiken in Kauf zu nehmen. Der Kaumuskel bleibt in seiner Funktion vollumfänglich erhalten, es kommt zu keinen Beeinträchtigungen beim Sprechen, Kauen oder Lachen. Er ist weiterhin stark genug für willkürliche Bewegungen, aber nicht mehr empfänglich genug für unwillkürliche Reize, die zu nächtlichem Zähneknirschen führen.

Kosmetischer Zusatznutzen von Botox bei Bruxismus

Ein weiterer Aspekt von Botox bei Bruxismus, der zwar nicht von unmittelbarer medizinischer Bedeutung ist, aber gewissermaßen einen kosmetischen Zusatznutzen darstellt: Durch die längerfristige Entspannung eines hypertrophierten (übermäßig beanspruchten) Masseter-Muskels wird die Gesichtskontur geschmälert und die jugendliche „V-Form“ tritt wieder deutlicher zutage.

Dieser rein ästhetische Effekt ist insbesondere in Südkorea populär, Umfragen zufolge werden die Hälfte bis zwei Drittel des dort für kosmetische Zwecke verabreichten Botulinumtoxins nur für diese eine Indikation verwendet. Tatsächlich habe ich auch in München einige Patientinnen südkoreanischer Herkunft, bei denen der kosmetische Aspekt von Botox bei Bruxismus im Vordergrund steht und eine allfällige medizinische Indikation nur von nachgelagerter Bedeutung wäre.

Botox Masseter in wenigen Minuten

Behandlungsvideo botox Masseter

Das Video zeigt die Behandlung einer Patientin mit stark hypertrophiertem Masseter (Kaumuskel). Sie leidet seit Jahren unter nächtlichem Zähneknirschen, mit belastenden Folgeerscheinungen wie Kopf- und Kieferschmerzen und Müdigkeit tagsüber. Ich injiziere 25 Einheiten Botulinumtoxin beidseits in jeweils 5 Injektionspunkte.
Masseter Behandlung dauert nur wenige Minuten

wie läuft die bruxismus-therapie mit botox ab?

Botox hat für die Behandlung des Zähneknirschens in Deutschland (noch) keine Zulassung. Ärzte behandeln Bruxismus mit BOTOX daher im sogenannten „Off-Label-Use“. Das bedeutet, dass ein zugelassenes Medikament für eine andere Behandlung verwendet wird, als die, für die es zugelassen wurde. Die Behandlung von Zähneknirschen besteht aus den nachfolgenden Phasen:

Selbstauskunft und Patientengespräch

Wie bei jeder anderen Therapie wird auch bei der Behandlung von Bruxismus BOTOX erst nach Abklärung etwaiger Kontraindikationen und Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen verabreicht. Eine detaillierte Patientenselbstauskunft ist daher unabdingbar, gefolgt von einem ausführlichen Gespräch. Eine zentrale Rolle nehmen dabei bestehende Medikationen ein, eine eventuell bestehende Schwangerschaft oder noch laufende Stillzeit.

Dosierung und Injektionsschema

Bei BOTOX gegen Zähneknirschen werden in der Regel 50–60 Einheiten des Toxins in 4–6 Injektionspunkte auf beiden Gesichtshälften verteilt. Injiziert wird dabei in die tieferen Regionen des Masseter-Muskels. Die 4 Punkte, in die ich das Toxin mit einer sehr dünnen Nadel verteile, befinden sich in der anatomischen Darstellung an den schwarz markierten Stellen: 

Bruxismus -Botox-München
Die Behandlung von Bruxismus mit BOTOX erfolgt durch 4-6 Injektionen von 25-30 Einheiten Toxin beidseitig in die tieferen Regionen des Masseter-Muskels.

Wann setzt die Wirkung ein und wie lange hält sie an?

Das Toxin beginnt etwa 1–2 Tage nach der Behandlung zu wirken und entfaltet seine volle Wirkung nach circa 10 Tagen. Spätestens dann sollten Sie spürbare Linderung erfahren. Wenn nicht, dann muss nachdosiert werden.

In der Regel wird Botox Zähneknirschen für etwa 3–6 Monate spürbar verringern. In diesem Zeitraum wird es vom Körper allmählich abgebaut. Wie schnell oder langsam das im Einzelfall vor sich geht, hängt von individuellen Faktoren ab und lässt sich nicht exakt prognostizieren. Aber im Schnitt sollte man davon ausgehen, die Behandlung zunächst alle 4–6 Monate auffrischen zu müssen.

Langfristig kommt es durch die Behandlung zu einer leichten Rückbildung des Masseter-Muskels (Atrophie). Das eröffnet die realistische Aussicht, dass sich Behandlungsintervalle mit zunehmender Behandlungsdauer verlängern lassen.

Botox gegen Zähneknirschen – Nebenwirkungen

Gibt es risiken oder nebenwirkungen?

Erwartbare Nebenwirkungen einer Botox-Behandlung sind Rötungen und kleinere Hämatome an den behandelten Stellen. Bei Botox in den Masseter-Muskel kann es auch kurzzeitig zu Mundtrockenheit und einem leichten Spannungsgefühl im Kieferbereich kommen. Beide Erscheinungen sind zumeist nach 24 Stunden wieder verschwunden.

Botox ohne große Risiken

Die Bruxismus-Therapie mit Botox ist ausgesprochen risikoarm, wenn alle Kontraindikationen abgeklärt und beachtet werden und ein erfahrener Therapeut die Behandlung vornimmt. Sämtliche immer wieder gehörte Ängste hinsichtlich der Giftigkeit von Botulinumtoxin oder gerüchteweise kolportierter Langzeitschäden halten den laufend aktualisierten Studienergebnissen nicht Stand.

Knochenschwund durch Botox bei Bruxismus?

Eine oft geäußerte Angst bei Botox gegen Zähneknirschen bezieht sich auf die angebliche Schwächung der Knochensubstanz. Und tatsächlich zeigen Studien, dass bei langfristiger Behandlung des Masseter-Muskels mit Botulinumtoxin Knochenveränderungen im Unterkiefer auftreten können. In einer koreanischen Studie mit 20 Patienten führte die längerfristige Injektion von Botox in das untere Drittel der Kaumuskels zu einer messbaren Volumenreduktion des Unterkiefers. Das ist aber bei näherer Betrachtung weder alarmierend noch überraschend. Denn es ist völlig normal, dass ein Knochen bei Nichtgebrauch oder bei Belastungsreduktion mit einer Verringerung seiner Größe und Dicke reagiert.

Andere Studien zum gleichen Thema weisen auf einen Knochenverlust im Kiefergelenk nach einer Botox-Behandlung hin. Diese Studien wurden allerdings nicht an Menschen, sondern an Tieren durchgeführt. Außerdem wurde dabei nicht nur der Kaumuskel partiell geschwächt, sondern die gesamte Muskulatur, die das Kiefergelenk bewegt, vollständig außer Kraft gesetzt. Und selbst dann zeigte sich der Effekt auf die Knochensubstanz des Kiefergelenks reversibel, d. h. die Dicke nahm wieder zu, sobald die Muskulatur erneut aktiv und das Gelenk belastet wurde.

Was bedeutet das? Eine vollständige Inhibierung ist bei Botox gegen Bruxismus ja keinesfalls vorgesehen. Die Entspannung des Masseter-Muskels betrifft nach Therapieprotokoll nur den unteren Teil des Muskels, sodass das Kiefergelenk immer noch belastet wird, beim Kauen und bei diversen Mimiken.

Nur positive eigene Erfahrungen mit Botox bei Bruxismus

Ich kann dazu nur sagen, dass ich in meiner Praxis in München mittlerweile häufig Botox-Injektionen in den Masseter-Muskel durchführe, aus medizinischen wie auch rein kosmetischen Indikationen. Einige meiner Patientinnen stammen aus Südkorea und ließen sich dort schon seit Jahren mit Botox in den Masseter-Muskel behandeln. Probleme durch die Botox-Behandlung wurden mir weder bei diesen noch bei anderen Patienten bekannt.

Botox bei Bruxismus – Kosten und Kostenübernahme

was kostet botox gegen Zähneknirschen?

Die Kosten für Botox gegen Bruxismus werden individuell nach der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) ermittelt und abgerechnet. Als ungefähren Richtwert kann ich Ihnen für die Behandlung in meiner Praxis in München rund 270–320 Euro nennend. Die genannte Preisspanne bezieht sich auf die Behandlung mit insgesamt 50–60 Einheiten Botulinumtoxin A.

Die Kosten von Botox gegen Bruxismus werden von den gesetzlichen Krankenkassen aktuell (noch) nicht ersetzt. Einzelne private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten auf Antrag. Sie sollten also vorab mit Ihrer Versicherung klären, ob sie sich zu einer vollständigen oder zumindest anteiligen Erstattung bereit erklärt. Bei den dafür nötigen Unterlagen unterstütze ich Sie gerne.

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Dr. med. Eva Maria Strobl
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